Die erste Woche mit Kanoa

Nachdem Thea am Montag so gut gestartet hatte, gab es dann leider ein paar Rückschläge. Thea hat ja von zu Hause leider eine Erkältung mitgebracht, und anders als bei den Brüdern ist das für sie immer eine ziemliche Herausforderung. Vor allem die unkontrollierten und nicht voraussehbaren Hustenanfälle stressen sie sehr!

Einer dieser Hustenanfälle trat dann leider am Dienstag während der Wasserzeit auf, und Thea musste frühzeitig aus dem Wasser! so enttäuscht habe ich sie noch selten gesehen, sie hatte einen ganz anderen Gesichtsausdruck als sonst und weinte bitterlich. Aber gegen den Schleim und den Hustenanfall kann man in der Akutsituation wenig tun. So sind wir alle etwas enttäuscht und frustriert ins Hotel gegangen und haben den Tag ganz ruhig ausklingen lassen.

Am nächsten Tag, so hofften wir, wäre es besser und da durften auch die Brüder mit ans Dock, weil Docktag war. Da können sie dann von ganz nah zusehen, wie die Therapie abläuft.

Thea kam im Neopren mit den Therapeuten ans Dock, die Delfintrainerin war bereits da.

In der Zeit davor im Therapieraum war wohl auch alles super, sie hat gut mitgemacht und recht deutlich kommuniziert, so dass die Therapeuten ganz zuversichtlich waren, dass die Wasserzeit gut wird.

Als Thea aber auf das Dock kam, war sie sofort sehr angespannt. Nach einer kurzen Begrüßung ging Mariska mit ihr ans Wasser und die Jungs durften auf das Dock.

Die ersten 15 Minuten gingen noch ganz gut, aber dann kippte Theas Stimmung komplett. Die Therapeuten haben sie erstmal aus dem Wasser geholt und sie haben gemeinsam versucht am Dock Spiele zu spielen und den Delfin zu streicheln, aber Thea konnte sich kaum beruhigen. Deshalb nahm die Delfin-Trainerin die Jungs mit zum anderen Dock und sie machten Fotos. Mariska holte mich (Theas Mama) zu Thea, aber auch ich konnte nicht herausfinden, was los war. Thea war an sich fit, musste nicht husten, sie hatte kaum Schleim, der sie stören konnte und es war auch sonst alles ok. Theas Gesichtsausdruck war so, als ob sie unglaublich enttäuscht ist. Das kennen wir kaum von ihr. Wir können nur mutmaßen, dass das Schwimmen mit Kanoa irgendwelche unterdrückten Gefühle hoch geholt hatte, die sich jetzt auf einmal entluden.

Die Therapeutin meinte, dass es toll wäre wenn uns Thea mehr von ihren Emotionen mitteilen könnte und wir überlegten gemeinsam eine Seite auf ihrem Sprachcomputer zu erstellen um das mal auszuprobieren.

Ziemlich verunsichert und frustriert verließen wir alle das Therapiezentrum und ließen den Abend ruhig ausklingen.

Am Donnerstag ging Thea wieder fröhlich in den Therapieraum, wir Eltern waren aber nach der Erfahrung vom Vortag etwas zwiegespalten – einerseits fanden wir es ja wichtig, dass Thea ihren Gefühle freien Lauf lässt und unterdrückte Emotionen Raum bekommen, andererseits will man als Eltern seine Kinder ja fröhlich und zufrieden sehen. Mit einem mulmigen Gefühl gingen wir dann zur Beobachtungsplattform als es mit der Wasserzeit los ging. Die Therapeuten und der Delfintrainer waren sehr einfühlsam und empathisch, haben nichts erzwungen und sich viel Zeit für die Kontaktaufnahme von Thea und Kanoa an Dock genommen. Ganz behutsam ging Mariska dann mit Thea ins Wasser und die erste Schwimmrunde mit dem Delfin war wunderschön. Thea war so entspannt und gelassen. Auch die Kommunikation funktionierte wieder besser und sie konnte deutlich sagen, was für Spiele sie mit Kanoa machen wollte! Sie war kein bisschen angespannt oder gestresst. Es war wundervoll Thea so in Interaktion mit Kanoa und auch den Therapeuten zu sehen.

Freitag lief es sogar noch besser. Thea war total gelöst und fröhlich und endlich kam auch das Surfbrett zum Einsatz, auf dem sie lag während Kanoa sie und Mariska pfeilschnell durch das Wasser schob.

In der Therapiezeit an Land hatte Thea gezeigt, wie sie ihren Kommunikationscomputer benutzt, was für Spiele sie da spielen kann und welche Kommunikationsmöglichkeiten sie damit hat.

Im Abschlussgespräch am Tagesende haben wir besprochen das Theas Ja-Code (breites Grinsen) sehr deutlich ist, die Therapeuten sich aber mit dem Nein noch unsicher sind. Mit gezielten Blicken kommuniziert Thea gut, ihren Computer kann sie auch ziemlich gezielt nutzen. Wir sollen Thea nun über das Wochenende mal beobachten – ob der Nein-Code eher ein Auspusten von Luft oder ein Wegdrücken mit dem Arm sein könnte. Daran arbeiten sie dann nächste Woche weiter!

Eine aufregende Woche mit Höhen und Tiefen geht zu Ende. Anders als gedacht, aber dennoch wertvoll. Wir haben Thea von einer anderen Seite kennengelernt und den Eindruck dass die Schwierigkeit mit dem „Nein-Code“ vielleicht daran liegt, dass sie sich einfach schwer tut „Nein“ zu sagen um niemanden zu enttäuschen gleichzeitig ist es für Ihre Entwicklung so wichtig, auch jetzt wo die Pubertät langsam anklopft.

Wir sind sehr gespannt, wie es kommende Woche weitergeht und hoffen sehr, dass Thea die Erkältung nun endlich überwindet und sich ganz auf die wertvolle Zeit mit Kanoa konzentrieren kann.

Familienschwimmen mit Chabelita und Bonnie